Matzenbacher Bild

Gruss an Maria

Gegrüßet seist du, sagt der Engel Gabriel!
Gegrüßet seist du, Jungfrau!
Gegrüßet seist du, Mutter Gottes!
Gegrüßet seist du, Heilige!
Gegrüßet seist du, Hochselige!
Gegrüßet seist du, Glorreiche!
Gegrüßet seist du, Gebenedeite!
Gegrüßet seist du, Wohnung Gottes!
Gegrüßet seist du, Mutter der Engel!
Gegrüßet seist du, Mutter aller Menschen!
Gegrüßet seist du, unsere liebe Frau!

WALLFAHRT ZUM MATZENBACHER BILD 

Eine einsame Waldlichtung mit einer Wegkreuzung. Ruhe und Stille atmet sie aus. Unter den hohen Fichten birgt sich eine Kapelle, ein Marienwallfahrtsort, das "Matzenbacher Bild". Ein gut zu befahrender Weg von 1,5 km führt von Fichtenau‑Matzenbach, Kreis Schwäbisch Hall, in südwestlicher Richtung hierher.  

Die Bedeutung dieser Gnadenstätte im Wald geht weit über die Pfarrgemeinde Matzenbach hinaus. Davon zeugt nicht nur das von Tausenden besuchte jährliche Wallfahrtsfest, das "Bildfest" ‑es wird traditionell am 2. Septembersonntag, kurz vor dem Siebenschmerzenfest begangen ‑ sondern auch der ständige Besuch. Viele Gemeinden wallfahren hierher. Lichterprozessionen und Abendmessen versammeln Beter vor dem Bild Mariens. Besonders die Maiandachten an den Maisonntagen ziehen die Menschen an.

Mögen auch diese größeren Feiern mehr ins Auge fallen, so stellt doch dieser Ort vor allem eine Stätte des stillen Gebets dar. Hier trägt der Beter die Last und die Freude seines Lebens zur Gottesmutter hin und empfängt von ihr Trost und Zuversicht. Er wird gestärkt im Glauben, indem er zur Mutter der Glaubenden aufschaut.  

DAS GNADENBILD DER SCHMERZHAFTEN MUTTERGOTTES

Aus dem Jahre 1761 wird es wohl stammen ‑ das holzgeschnitzte Bild, das den Mittelpunkt der Wallfahrtsstätte bildet und ihr auch den Namen gegeben hat. Denn diese Kapelle wird einfach das "Bild" oder das "Matzenbacher Bild" genannt.

Die Pieta erinnert an das tiefste Leid der Gottesmutter Maria: sie trägt trauernd den toten Jesus nach der Kreuzabnahme auf ihrem Schoß. Dabei richtet sie ihren Blick über den gemarterten Sohn hinaus auf den Beschauer, als wollte sie sagen: "Schaut, ob ein Schmerz meinem Schmerze gleicht."

Doch drückt der Blick der Schmerzensmutter vielleicht noch anderes aus. Sie, die Königin im Leiden ‑ sie trägt ja eine Krone und ein königliches Gewand ‑ weist auf den Glauben hin. Durch ihn hat sie in königlicher Haltung ihr Leid gemeistert. Maria wird hier als Vorbild des Glaubens dargestellt: sie läßt sich vorbehaltlos von Gott führen, bleibt mutig stehen, auch im Dunkel des Leids und vertraut auf die Verheißungen Gottes.

Das Gnadenbild steht in seiner heutigen Fassung vor einer ins Freie hinausführenden Glasscheibe. Gleichnishaft zeigt sich in dieser Anordnung: Schmerz und Tod sind nicht das Letzte. Sie führen hinaus in die Freiheit, ins Licht. Der Tod Christi führt zur Auferstehungsherrlichkeit. Leid und Sterben sind Durchgangsstadien zu Größerem. Das Dunkel des Glaubens hellt sich einmal auf ins Licht Gottes hinein.

DER URSPRUNG DER WALLFAHRT 

Doch, wie kam es eigentlich zu dieser Kapelle? Warum entstand die Wallfahrt? Seit wann kommen Menschen hierher? Geschah hier am Anfang etwas ganz Außergewöhnliches oder entsprang alles nur menschlichem Denken und Planen?  

Nichts von alledem! Der Ursprung der Wallfahrt  ums Jahr 1746 ist unscheinbar. Aber gerade darin zeigt sich ein höheres Wirken. Doch lassen wir die Pfarrchronik von Matzenbach darüber berichten:

"Maria Mangold von Matzenbach, verheiratete Person, gelobte, um ihrer Kopfschmerzen ledig zu werden, ein Bild der Mutter Gottes am Weg nach Dankoltsweiler an einer Buche anbringen zu wollen, um dort ihre Andacht zu verrichten. Die Lösung ihres Gelübdes verzögerte sich. Gewissensbisse und Träume ließen ihr aber keine Ruhe. Sie offenbarte ihren Kummer der Kath. und Maria Fuchsin, die versprachen, obwohl selbst arm, darauf bedacht zu sein, daß das Gelübde bald eingelöst werden könne.

Um diese Zeit brachte Eva Bucklerin aus dem Oberland ein Vesperbild mit, das sie in einem Hause gesehen hatte und das man eben verbrennen wollte. Es war aus Pappdeckel, etwa 5 Zoll hoch (10‑15 cm) und von wenig Wert. Sie erbat sich das Bild als Almosen, nahm es mit heim und stellte es in ihrer Stube auf. Dort sahen es die Fuchsinnen, und sie und die Mangold kauften es der Bucklerin ab ... Das Bild brachten sie in ein hölzernes Gehäuse und hingen es im Wald am Wege nach Dankoltsweiler an einer Buche auf ... Schon bald, nachdem das Bild aufgestellt war, kam ein großer Zulauf von nah und fern zum Bild, besonders an den Nachmittagen an Sonn und Feiertagen (30-70 Personen)."

Am Anfang dieser Gnadenstätte stand also, von menschlicher Seite aus gesehen, das schlichte Vertrauen einer Frau, der Glaube an die Fürbittmacht der Gottesmutter.  

Die Verehrung des Bilds wurde dann aber auch durch außerordentliche Zeichen gefördert: Um 1748 wird von einer Blindenheilung berichtet. Auch ein Tauber. erlangte sein Gehör wieder, nachdem er am Bild gebetet hatte.

Doch am Anfang stand kein Wunder sondern das gläubige Vertrauen dieser Frau. Daß sich daraus dieser Wallfahrtsort entwickelte, kann menschlich nicht erklärt werden. Wenn hier eine Glaubensstätte für die Menschen eines weiten Umkreises entstand, so nur deshalb, weil ein anderer seine Hand mit im Spiel hatte: Gott durch Maria. Sie hat diesen Ort  zunächst einfach ein Bild an einer Buche  als besondere Wirkungsstätte erwählt. Die nachfolgenden Wunder haben es noch bestätigt,  

DIE WEITERE GESCHICHTE DES BILDS

Für viele Jahre gibt es nichts Besonderes mehr zu berichten. Nur das Gnadenbild selbst, das Papierbild des Jahres 1746, wurde nach 1761 durch die jetzige geschnitzte Pieta ersetzt. Auch diese brachte man im Holzkasten an der Buche an. Und so blieb diese mehr als einfache Form über 150 Jahre lang bestehen.

Erst im Jahre 1913 änderte sich etwas. Die alte Buche war morsch geworden und mußte gefällt werden. Nun stellte man den Bildkasten mit dem Gnadenbild auf einen grottenartigen Aufbau. Ein einfaches Dach, auf vier Holzpfeilern ruhend, schützte gegen die Witterung. So entstand eine offene Kapelle. In den Jahren 1933/35 wurde die Kapelle verschönert. Das Gnadenbild bekam einen barocken Rahmen. Eine Glocke sollte nun die Menschen einladen. Dafür wurde ein Glockenturm erstellt. Sieben Bildstöcke mit den sieben Schmerzen Mariens wurden im Halbkreis vor der Ka­pelle aufgestellt. Ein besonderes Ereignis aus dem Jahre 1945 verdient festgehalten zu werden: In den letzten Kriegstagen, als amerikanische Truppen näherrückten und Matzenbach in Gefahr stand, zusammengeschossen zu werden, ging das Dorf in höchster Not in einer Bittprozession zum Bild. Das Dorf blieb verschont. Sogleich nach dem Ende des Krieges versammelte sich die ganze Gemeinde am Bild, um der Gottesmutter für ihre Hilfe zu danken (10. Mai 1945). Diese Dankwallfahrt findet seitdem jedes Jahr statt.  

Die Rettung Matzenbachs in diesen Kriegswirren und der Dank für alles, was Maria vom Bild aus gewirkt hat, bildete den Hintergrund für das 200jährige Jubiläum: Am 15.September 1946 fand sich eine unübersehbare Menschenmenge ein, um mit Bischof Johannes Baptista Sproll das Bildfest zu feiern.  

Den vorläufig letzten Markstein in der Geschichte bildet das Jahr 1973. Die Kapelle war baufällig geworden und entsprach nicht mehr allen Ansprüchen. So wurde ein Neubau beschlossen. Eine Kapelle sollte entstehen, die dem heutigen Menschen etwas sagt und ihm die Bedeutung des alten Gnadenbildes neu nahebringt. Viel wurde für den Neubau gebetet und gearbeitet. Die Gemeinde übertraf sich selbst, was das Geldopfer anging. So waren die Baukosten von 118886,67 DM (60 785,79 EUR) kein besonderes Problem.  

Am 23. September 1973 gab Weihbischof Anton Herre der neuen Kapelle die kirchliche Weihe.

Quelle: Kath. Kirchengemeinde St. Maria, Fichtenau-Matzenbach

Text: Pfarrer Sigbert Baumann - Pfarrer Manfred Fliege

Bilder: Paul Launer

Zeichung: Aus Broschüre "Matzenbacher Bild" (2. Auflage) aus dem Jahre 1993

Im September 1973 wurde die neue Waldkapelle  von Weihbischof Anton Herre eingeweiht.

 

Die Kapelle mit dem Charakter eines Zeltes wurde von Architekt Andreas Engelhardt entworfen.

Sie fügt sich wunderbar in die Natur ein.

Schon beim Betreten der Kapelle führt uns der Blick sofort zum Mittelpunkt, dem Altar, der das Kleinod, das Matzenbacher Bild birgt, hin.
Das Gnadenbild steht in seiner heutigen Fassung vor einer ins Freie hinausführenden Glasscheibe. 
Gleichnishaft zeigt sich in dieser Anordnung: Schmerz und Tod sind nicht das Letzte. Sie führen hinaus in die Freiheit, ins Licht. 
Beim Verlassen der Kapelle finden Sie noch herrliche Glasfenster mit verschiedenen Darstellungen zu Maria.

 

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Paul Launer
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